AG Unternehmensgründung

04. Helfer, Hindernisse und Nervensägen

Der Anwalt

Klar! Keiner beauftragt ihn freiwillig. Denn nahezu jeder weiß: Er kostet Geld, Zeit, Nerven und bringt zehnmal häufiger einen Vergleich mit nach Hause als einen Sieg. Warum dann trotzdem klagen? Weil nahezu jede außergerichtliche Einigung an der Erhitzung der Gemüter scheitert. Also brauch es Anwalts(schein)gefechte und vor allem Abkühlungszeit. Das Arbeitstempo der Gerichte garantiert die. Und nach ein bis zwei Jahren beendet der gerichtliche vergleich das Spiel. Um einem Irrglauben vorzubeugen: Nicht „gute“ Verträge vermeiden Prozesse, sondern die gute Position. Und eine gute Position hat nur, wer auf dem Hügel sitzt, während der Gegner unten steht. Wer was haben will – sprich der Gläubiger – steht stets unten.

Die Bank

Jeder Gründer braucht eine Bank. Wirklich gut geht es ihm jedoch erst, sobald die Bank für ihn keine Bedeutung mehr hat. Langfristige vertrauensvolle Bankbeziehungen gibt es höchstens noch bei den Volksbanken auf dem Dorf. Denn: Banker wechseln derzeit im fliegenden Wechsel. Ob freiwillig oder erzwungen. Ob die Position oder gleich die Bank. Und der Nachfolger ist selten eine Verbesserung. An sichersten ist es daher, soviel Profit zu machen, dass man unabhängig von jedweder Quälerei des Kreditbankers wird. Eine schöne Motivation. Oder?

Die Behörden - Das Finanzamt

Bestenfalls fressen sie die Zeit des Gründers. Schlimmstenfalls auch noch die Nerven. Denn sie können Angst und Schrecken verbreiten. Die Zahl der Unternehmer, die schon allein beim Anblick der öko-grauen-haften Briefumschläge allergische Reaktionen zeigen, wächst sprunghaft. Kaum zwei Welten sind weiter von einander entfernt, als die von Gründern und Beamten. Da fehlt im Regelfall jedwedes gegenseitiges Verständnis. Doch da das Finanzamt Angst auslöst, braucht der Gründer einen vermeintlichen Beschützer: Den Steuerberater. Wem er dann tatsächlich hilft ist einzelfallabhängig.

Der Steuerberater

Die wenigsten Steuerberater beraten wirklich. Meistens und die meiste Zeit entpuppen sie sich de facto als Buchhalter. Wessen schuld ist das? Egal! Naiv jedenfalls die Vorstellung, der Steuerberater erspare dem Gründer eigene kaufmännische Kenntnisse.

Die Firma - Das kleine, mittelständische Unternehmen

Na?! Schon den Rollenwechsel vollzogen? Oder immer noch schwankend zwischen Angestelltendenken und Unternehmerdenken? Und wie sieht es mit der Potenz aus? Denken Sie noch in 100dern oder bereits in 1000dern und 10000dern? Wer bestimmt Ihren Tagesablauf? Schon Sie oder noch immer die anderen? Und die Ängste und Alpträume? Vielleicht mal lieber eine Standortbestimmung vornehmen! Phasenschema einer Gründung, siehe Wie werde ich Unternehmer.

Die Konkurrenz

Die meisten Gründer fokussieren sich zu stark auf die Konkurrenz. So was lähmt. Oft ist es viel sinnvoller, sich auf die Kunden zu konzentrieren. Doch am schwersten haben es die Gründer, die keine Konkurrenz haben. Entweder weil sie schrecklich naiv sind,  oder weil ihr innovatives Angebot – meistens höchst erklärungsbedürftig – erstmal seinen Markt finden muss.

Der Kunde

Viel zu wenig Zeit investiert der Gründer in seine Kunden. Oft hat er sogar Angst vor dem direkten Kontakt mit ihnen und bombardiert sie lieber mit den Ferngeschossen der Kaltakquise. Angst vor der Nähe zum Kunden? Schlecht! Wer den Kunden nicht nahe kommt, der wird ihn niemals wirklich kennen. Und daher auch nicht gewinnen.

Die Partner

Partnerschaften halten bei Gründern deutlich kürzer als Ehen. Warum? Weil häufig beide sehr unerfahren in diese Unternehmerehe gehen. Und manche kennen sich nicht mal ansatzweise. Kommt dann noch eine Durststrecke hinzu, ist ein Crash schon fast unvermeidbar. Wir raten zum vorehelichen Geschäftsverkehr!

Das Personal

Für Gründer sind die ersten Festeinstellungen ein echtes Unternehmerrisiko. Viel zu unerfahren im Umgang mit Angestellten, senden sie im Einstellungsgespräch falsche Signale, die in teuren Fehlern münden. Doch alles alleine machen wollen ist mindestens unproduktiv, wenn nicht gar unmöglich. Darum empfiehlt sich, zunächst mit 400-€-Kräften die Chef-Rolle zu trainieren. Gretchenfrage bei der Einstellung: Are you a Giver or are you a Taker???

Hans Emge

Am besten man lernt ihn persönlich kennen. Oder auch nicht. Das muss nämlich nicht für jeden angenehm enden, denn er gilt als ungeeignet fürs Diplomatische Korps. Daher zur Vorsorge und Vorbereitung: Wie werde ich Unternehmer oder der Quick Test.